13. Juni 2016

Gedenkstätte Lidice 2016

Gedanken zum Sinn des Gedenkens

Am Sonnabend, dem 11. Juni, nahm eine Delegation der LAG Netzwerk EL als Vertretung des „Ständigen Forums der Europäischen Linken - der Regionen" (SFEL-R), einem regionalen Netzwerk der Europäischen Linken an den Gedenkfeierlichkeiten in Lidice teil.
Vor 74  Jahren, am 10. Juni 1942, hörte die böhmische Gemeinde Lidice auf zu existieren. Die deutschen Faschisten löschten das Dorf Lidice samt seiner Bewohner/innen aus. Die Zerstörung war Teil der Racheaktionen nach dem Attentat auf den stellvertretenden Reichsprotektor Reinhard Heydrich in Prag.

173 Männer des Ortes wurden sofort erschossen, 195 Frauen des Dorfes wurden in das Konzentrationslager Ravensbrück bei Fürstenberg/Havel deportiert, wo 52 von ihnen ermordet wurden. Von den 98 Kindern wurden nach der Aussonderung nach rassischen Kriterien 85 im Vernichtungslager Kulmhof vergast, 13 von ihnen zur „Germanisierung“ in ein so genanntes Lebensborn-Heim gebracht.

Die heutige Gedenkstätte Lidice umfasst ein großes Areal, in dem sich die Fundamente der zerstörten Ortschaft nachvollziehen lassen und das aus einem Bildungszentrum, einem Museum, einer Galerie, einem Rosengarten und zahlreichen Gedenkorten besteht.
Das Schicksal der Kinder von Lidice sollte stellvertretend für die Leiden der Kinder im Krieg stehen. Ab 1969 arbeitete die Bildhauerin Marie Uchytilová an einer bronzenen Statuengruppe der Lidicer Kinder, die unter dem Namen „Denkmal für die Kinderopfer des Krieges“ 1995 aufgestellt werden konnte und bis zum Jahr 2000 auf 82 Mädchen und Jungen erweitert wurde.

Gemeinsam mit Vertreterinnen der Frauenorganisation der KSČM und vielen anderen Menschen legte auch unsere Delegation ein Blumengebinde und weiße Lilien an diesem Denkmal nieder.

74 Jahre nach diesem 10. Juni, gedenken wir der Opfer dieses autoritären, grausamen und menschenverachtenden Systems. Wir sind fassungslos über die maßlosen Gräueltaten der deutschen Faschisten. Aber 74 Jahre sind eine lange Zeit. Nach 74 Jahren verblasst  der Schrecken der Ereignisse immer weiter zu grauer Vergangenheit. Es wird für die Generationen nach dieser Zeit immer schwieriger, sich die Geschehnisse vorzustellen.

Doch wir dürfen nicht zulassen, dass die Opfer von damals zu namenlosen Opfern der Geschichte werden, die uns nichts mehr angehen. Es ist unsere Pflicht dafür zu sorgen, dass so etwas wie das faschistische Regime nicht noch einmal passiert. Es ist notwendig, sich zu erinnern, um die Zukunft zu gestalten.

Jutta Vogel
LAG Netzwerk EL