29. Mai 2017

In der Mitte Europas für die die Mitte Europas

Gedanken zum 25. Europacamp

Die Johanniskirche in Krahule, einem kleinen Dorf in der Slowakei, markiert einen von vielen geografischen Mittelpunkten Europas. Sicher war dieser Fakt nicht ausschlaggebend dafür, dass sich in diesem Jahr nur wenige Kilometer südlich, in Baňská Štiavnica Linke aus Deutschland, Tschechien, Slowakei und Ungarn zu Himmelfahrt im Europacamp trafen, um sich über aktuelle Politik, Erfahrungen und Möglichkeiten der Zusammenarbeit auszutauschen.

Aber im Rückblick war die „Mitte Europas“ der passende Veranstaltungsort für das diesjährige Camp, denn es war das 25. Mal, dass in politischen Foren und Workshops ein reger Meinungsaustausch zu brennenden Fragen der internationalen Entwicklung stattfand. Traditionell lernten die Teilnehmerinnen und Teilnehmer aber auch bei Ausflügen in die herrliche Landschaft und Museumsbesuchen ein touristisch noch wenig erschlossenes, wenngleich wunderschönes und beeindruckendes Gebiet kennen.

Durch alle Foren zog sich wie ein roter Faden die Notwendigkeit der Basisarbeit. Eines der Foren beschäftigte sich intensiv mit den Möglichkeiten, den Bürgerinnen und Bürgern der beteiligten Länder die Programmatik der linken Parteien näher zu bringen, in einem anderen wurde dieser Gedanke aus historischer Sicht diskutiert.

Doch auch brandaktuelle politische Themen, wie die Rechtsentwicklung in ganz Europa sowie der Kampf gegen den Neofaschismus, nahmen einen breiten Raum ein. Am konkreten Beispiel eines in Tschechien verbreiteten Flugblattes mit der provozierenden Überschrift „Die Sudeten waren und werden deutsch sein“ wurde auf das Wirken reaktionärer Kräfte hingewiesen und die Bedeutung der Völkerverständigung und des gemeinsamen Kampfes hervorgehoben.

Für die slowakischen Genossinnen und Genossen war es angesichts der Situation ihrer Partei äußerst schwierig, das Europacamp zu organisieren. Dass es durch die tatkräftige Unterstützung vor allem durch die tschechischen Genossinnen und Genossen dennoch gelungen ist, darf man als ein Zeichen gelebter internationaler Politik und Solidarität betrachten.

Jutta Vogel
Thorsten Kleis
LAG Netzwerk EL


28. Mai 2017

Erstmalig in der Slowakei

25 Jahre Treffen der europäischen Linken

Foto: Uwe Titscher

Zu Himmelfahrt machten sich 11 unerschrockene Leipziger GenossInnen und SympathisantInnen auf die fast 12-stündige Reise ins 25. Eurocamp des Ständigen Forums der Europäischen LINKEN - der Regionen. Das Reiseziel lautete dieses Mal: Banská Štiavnica - erstmalig sollte die Slowakei Ziel des Camps sein. Am Rande dieses Ortes lag die Unterkunft, welche über 100 linke GenossInnen aus Europa aufgenommen hatte.

Am ersten Tag, dem Tag der Anreise, freuten wir uns nach einigen langen Staus in Tschechien auf die um drei Stunden verzögerte Ankunft im Hotel. Nach kurzer Stärkung begab sich ein Großteil der anwesenden GenossInnen an das durch uns angeheizte Lagerfeuer. In lockerer Atmosphäre konnten wir dank einigen zweisprachigen Mitreisenden ersten Kontakt zu den Genossinnen aus Polen, der Slowakei und Tschechien aufnehmen. 

Am 26. Mai, dem kulturellen Tag des Camps, erfolgte ein Ausflug in das nahegelegene Schloss und Museum, Sväty Anton. Hier sollte uns das prunkvolle Leben der ehemaligen Herrscherfamilien gezeigt werden. So beeindruckend der königliche Lebensstil auch heute noch scheint, konnte über die Ablehnung jener Strukturen und Lebensstile zum Leitwesen unterdrückter Gruppen Einigkeit erzielt werden. Der Besuch im Bergbaumuseum der Region zeigte uns eindrucksvoll die harte Arbeit des damaligen 3. Standes bzw. der heutigen Arbeiter. Dass die Welten der Herrschenden, bzw. Wohlhabenden Bevölkerungsgruppen und der Arbeiter bzw. der Minderheiten in der Slowakei noch weit auseinandergehen, war noch heute bei der Busfahrt zwischen den Museen zu beobachten. Neben noblen Villen standen oftmals nur wenige 100 Meter entfernt heruntergekommene Wohnkomplexe. Insbesondere die zugewiesenen Unterkünfte der Sinti und Roma stellten sich in einem erschreckenden, aus unserer Sicht menschenunwürdigen Zustand dar. 

Im Rahmen des Polit-Samstages sahen wir uns daher geschlossen dazu verpflichtet, die Debatte um das Thema Migration und Frieden zu besuchen. Neben einer Multiperspektiven Analyse der Fluchtursachen wurde zumindest darüber Einigkeit erzielt, dass die am Vortag gesehenen Zustände keineswegs unseren Wünschen entsprechen. Im Rahmen der gesamten Migrationsdebatte wurde zunehmend deutlich, unter welchem Druck die linken Parteien in den östlichen Nachbarländern stehen. Eine offene LINKE Arbeit ist beispielsweise in Ungarn nicht mehr möglich, da dies ein sofortiges Parteiverbot nach sich ziehen würde. Unsere Genossinnen in Polen, der Slowakei und Tschechien spüren derweil die stark zunehmenden nationalistischen Bestrebungen in ihren Staaten. Dies hat auch auf ihre Nationalen Parteien massive Auswirkungen, welche in der Debatte um mögliche Chancen der Integration offensichtlich wurden. 

Im Rahmen des Abschlussabends wurden bei reichlich slowakischer Folklore über weitere politische Aufgaben debattiert. Ebenso wurde verkündet, dass das nächste Eurocamp in unserem Nachbarbundesland Brandenburg durchgeführt wird. Wir freuen uns bereits jetzt auf die kommende, 26. Auflage des Eurocamps und wollen dieses Mal mit einer noch größeren Leipziger Gruppe anreisen. 

AG Junge GenossInnen Leipzig


17. Dezember 2016

Solidaritätscamp 2017

Europacamp erstmals in der Slowakei!

Entstanden als „Politcamp“, auch als „Friedenscamp“ durchgeführt, hat sich das alljährliche Treffen Linker aus Deutschland, Tschechien u.a. Länder als „Europacamp“ etabliert. Und nun Solidaritätscamp? Das Ständige Forum der Europäischen Linken – der Regionen (SFEL-R) hat einhellig beschlossen, das Europacamp 2017 in der Slowakei auszutragen. Hier fand es noch nie statt, obwohl die Komunistická strana Slovenska (KSS - Kommunistische Partei der Slowakei) langjährig im SFEL-R ist und vereinbarungsgemäß das Europacamp im Wechsel durch die Mitglieder vorbereitet und organisiert wird. Ein wichtiger Grund, warum sich das SFEL-R für die Slowakei entschied ist, daß die slowakischen GenossInnen unter sehr schwierigen Bedingungen arbeiten. Da sie sehr stark unter Druck und Angriffen der konservativen Kräfte standen und stehen, sogar ein Parteiverbot drohte und den Einzug ins Parlament nicht schafften, stehen ihnen keine staatlichen Mittel zur Verfügung, was ihre politische Handlungsfähigkeit weiter einschränkt. Deshalb soll das Europacamp im Zeichen der Solidarität und Verbundenheit stehen.

„Panorama of Banská Štiavnica with Calvary hill behind“ - © Benjamín Jarčuška (Quelle: Wikipedia)

Die slowakischen GenossInnen laden nach Baňská Štiavnica ein, ein Ort im Slowakischen Erzgebirge. Die Stadt ist seit 1993 Weltkulturerbe der UNESCO und umgeben von einem Landschaftsschutzgebiet. Die Stadt wurde über Jahrhunderte vom Gold- und Silberbergbau  geprägt. Fast gleichzeitig mit der Bergakademie Freiberg wurde auch hier eine Bergakademie gegründet.

Neben dem touristischen Teil wird es wieder politische Gespräche geben. Dazu soll von deutscher Seite Wolfgang Gehrcke eingeladen werden und ein junger engagierter slowenischer Genosse, der auf einer Tagung in Berlin über seine Erfahrungen in der Mitgliedergewinnung sprach.

Um die Anreise allen zu ermöglichen, soll ein Bus genutzt werden, der eine ausreichende Auslastung voraussetzt.

Solidarität mit den slowakischen GenossInnen verbunden mit einem interessanten touristischen und politischen Programm soll das kommende Europacamp ausmachen. Eure Teilnahme ist wichtig.

Die Anmeldung läuft wie gewohnt über Sabine Lichtwald Email: europacamp@sfel-r.de.