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Politik trifft Kultur

Gedenken und Blick in Europas Zukunft

Schon traditionell treffen sich am Vorabend des Jahrestages der Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht Mitglieder des Ständigen Forums der Europäischen Linken - der Regionen und der Landesarbeitsgemeinschaft Netzwerk Europäische LINKE mit tschechischen Genossinnen und Genossen. Auch in diesem Jahr nahmen wir am Sonntagvormittag gemeinsam am stillen Gedenken an Karl und Rosa teil. Am  Nachmittag besuchten einige von uns den  politischen Jahresauftakt, zu dem die Partei der Europäischen Linken, die Partei DIE LINKE, sowie die Fraktion DIE LINKE im Bundestag eingeladen hatten.
Unter dem Motto »Erkämpft das Menschenrecht: Gegen NATO, Freihandelsdiktate und andere Fluchtursachen« erlebten wir im Kino KOSMOS in Berlin ein Programm, das uns über drei Stunden in den Bann zog. Talk und Reden wechselten mit Musikbeiträgen  und kabarettistischen Einlagen.  

Die Parteivorsitzende der LINKEN Katja Kipping zeigte in ihrer Rede schonungslos die derzeitige Situation in Europa auf: beim Rückblick auf das vergangene Jahr 2015 wird deutlich: „Wir leben in unsicheren Zeiten: Der Rechtspopulismus hat Zulauf, die rassistische Gewalt wächst, die Terrorgefahr hat zugenommen, Ängste und Krisenstimmung greifen um sich und befördern Gewalt.“ Sie verwies in ihrer Rede darauf, dass die Bilanz des »Krieges gegen den Terror« seit 2001 mit vielen Tausenden von Toten im Irak, in Afghanistan, Libyen, Jemen oder Pakistan lehrt: Krieg hat den Terror nicht eingedämmt oder gar beseitigt, sondern es ist immer noch mehr Terror entstanden und forderte „einen New Deal, einen neuen Gesellschaftsvertrag gegen Krieg und Terror. Dieser New Deal muss grenzübergreifend ausgerichtet sein.“

Die Rolle der LINKEN als Friedenspartei aber auch als Teil der „Refugees-welcome“-Bewegung wurde auch von den Fraktionsvorsitzendenden der LINKEN im deutschen Bundestag Sahra Wagenknecht und Dietmar Bartsch hervorgehoben, ebenso wie die Forderung nach mehr sozialer Gerechtigkeit und eine stärkere Präsenz der Linken in der Öffentlichkeit. „Die Ideologie muss nicht nur im Kopf sein, sie muss auch in die Füße gehen“, formulierte Bernd Riexinger.

Die Beiträge richteten aber auch den Blick auf die Situation der Bevölkerung in den europäischen Ländern. Unter anderem erfuhren wir aus berufenem Munde vom Arbeitsminister der Syriza-Regierung Giorgos Katrougalos Hintergründe über Weg und Ziel der Syriza-Regierung in Griechenland, Maite Mola, Vizepräsidentin der Partei der Europäischen Linken, rief in einer kämpferischen Rede zur Geschlossenheit der Linken auf. Nur durch diese Geschlossenheit kann ein anderes Europa gelingen, kann die Abkehr vom unsozialen Neoliberalismus in allen europäischen Ländern gelingen.

Musikalisch wurde das Programm begleitet durch Esther Bejarano & Microphone Mafia, Bandista und Lucia Socam. Die großartige kleine Frau Esther Bejaro gehört zu den letzten Überlebenden des Mädchenorchesters von Auschwitz. Zur Zeit des Nationalsozialismus wurde sie gezwungen am Lagereingang von Auschwitz mit ihrer Musik für „gute Stimmung" zu sorgen. Ein Erlebnis, das sie heute noch belastet. Zusammen mir ihrem Sohn und der Microphone Mafia gibt sie heute Konzerte und erzählt aus ihrer Geschichte. Ihr Gesang rüttelte das Publikum auf und Ihre Mahnung an die nachfolgenden Generationen fasste sie in dem Satz „Nie wieder Krieg“ zusammen.

Scharfzüngig und wortsensibel entlarvte Reiner Kröhnert Arroganz, Eitelkeiten und Machthunger der politischen Prominenz, zeigte die Vorgehensweise einiger dieser „Größen“ und sorgte damit für viel Heiterkeit im Publikum.

Peter Sodann und Ingolf Lück waren auch da - und lasen Brecht. Dessen Text „Flüchtlingsgespräch“ aus den 40er Jahren hat nichts an Aktualität verloren. Und dann war auch Ben Becker da: "Zum ersten Mal auf einer politischen Veranstaltung.", wie er selbst hervorhob. Und das bei der LINKEN!

Bezugnehmend auf das Motto der Veranstaltung betonte Oscar Lafontaine als letzter Redner: „Der Kapitalismus selbst ist die Ursache für die Flucht so vieler Menschen. … Wir wollen ein anderes Zusammenleben der Menschen.“

Begleitet vom mitreißenden Rhythmus der Songs von Lucia Socam wurde zum Abschluss der Veranstaltung ein Banner enthüllt, das den 15. Januar zu einem Gedenktag für die Opfer von Antikommunismus und Gewerkschaftsfeindlichkeit erklärt. Auf dem Vorstandskongress der Europäischen Linken in Madrid wurde dieser Vorschlag von deren Schatzmeister Diether Dehm mit viel Beifall aufgenommen.

Fazit: Ein motivierender, aufrüttelnder, unterhaltsamer Nachmittag mit Talk, Musik, Reden und vielen nachdenklichen Worten.  

Jutta Vogel

Foto: Alexej Stoljarow

Der traditionelle Jahresauftakt

Teilnahme an der LL-Ehrung

Gedenkstätte der Sozialisten

Am Wochenende 9./10. Januar trafen wir uns traditionsgemäß mit unseren tschechischen GenossInnen zur gemeinsamen Teilnahme am Liebknecht-Luxemburg-Gedenken und ersten Beratung zum Jahresauftakt.
Unterkunft und Gesprächskontakt organisierten die GenossInnen von LDS im KiEZ am Frauensee, da unser Lichtenberger „Stammplatz“ Flüchtlinge beherbergt.
Das gab auch den Anstoß, mit den tschechischen GenossInnen über die Flüchtlingsproblematik zu sprechen und dazu authentische Betroffene, die in Königs Wusterhausen leben, einzuladen. Drei Flüchtlinge aus Syrien und Somalia mit ihrer Betreuerin waren gekommen und berichteten über ihre von Krieg und Morddrohungen in den Heimatländern verursachten Fluchtgründe und von all den Strapazen, die sie auf ihrem Weg durch Wüste, über Mittelmeer und  Balkanroute, einschließlich  der bekannten Zustände bei der Durchquerung Ungarns, erlitten. Mittlerweile fassen sie Fuß, lernen Deutsch und haben Freude am Lernen. Als Dank für ihr Kommen übergaben wir den drei Flüchtlingen eine spontane kleine Spende.
Am Ende der bewegten Diskussion stand die gemeinsam formulierte Aufgabe, in unseren (NATO-)Ländern das Engagement gegen Waffenexporte und Kriegseinsätze verstärken zu wollen. Nächste Gelegenheit dazu ist die erneute gemeinsame Teilnahme am Ostermarsch in Ansbach (Unterstützung der BI „Etz langt´s!“ gegen die US-Hubschrauberstationierung).
Weitere Interessenten an der Teilnahme sind willkommen - Meldung bei Lothar Hoffmann.

Am Sonntag fuhren wir gemeinsam nach Berlin, um an der Liebknecht-Luxemburg-Ehrung teilzunehmen.

Die nächste gemeinsame Veranstaltung wird der Internationale Frauentag sein. In diesem Jahr sind wir für den 5. März nach Rožmitál eingeladen. Wir würden uns freuen, wenn viele unserer GenossInnen und SympathisantInnen die Gelegenheit der Begenung mit unseren tschechischen GenossInnen nutzen würden. Der Kreisvorstand gibt je TeilnehmerIn auch eine finanzielle Unterstützung.
Anmeldungen bei Lothar Hoffmann sollten schnell erfolgen, damit geplant werden kann.
 
Sonja Newiak

Fotos: Uwe Titscher
Frithjof Newiak